10 Jahre im Dienst der Herzgesundheit

Mehr als 46.000 Patientinnen und Patienten hat die Abteilung für Innere Medizin II – Kardiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried seit ihrer Gründung vor zehn Jahren bereits betreut. Die Zukunft bringt eine ambulante Rehabilitation bei Herz- und Lungenerkrankungen – und mehr Prävention.
 

Nicht weniger als 284.000 kardiologische Untersuchungen haben Prim. Dr. Thomas Winter und sein Team seit Dezember 2009 durchgeführt. Im Interview mit den Schlossberg Med News zieht der Leiter der Abteilung Bilanz über das erste Jahrzehnt und blickt auf zukünftige Entwicklungen.

Wie hat sich die Abteilung für Innere Medizin II – Kardiologie in den vergangenen Jahren entwickelt?
Prim. Dr. Thomas Winter: Die Zahlen sprechen für sich: Seit der Gründung wurden jeweils mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten auf der Bettenstation und in der kardiologischen Ambulanz betreut, weitere 6000 in unserer Intensivstation. Das Ärzteteam ist von vier auf zwölf Medizinerinnen und Mediziner gewachsen, darunter sieben Fachärzte für Innere Medizin, von denen sechs Kardiologen und fünf zusätzlich Intensivmediziner sind. Zum Pflegeteam gehören derzeit 49 Personen. Die Abteilung verfügt über 29 Betten, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt drei Tage.

Womit haben Sie und Ihr Team an der Abteilung hauptsächlich zu tun?
Schwerpunkte sind naturgemäß Erkrankungen von Herz und Lunge, wie Arrhythmien, Herzinsuffizienz, kardiale Durchblutungsstörungen, Klappenfehler, Hypertonie und COPD. Damit verbunden sind jedoch oft auch allgemeine internistische Krankheitsbilder wie Diabetes, nephrologische Erkrankungen und Gefäßprobleme. Ein weiterer Schwerpunkt ist die internistische Intensivstation. Wir sind im Übrigen seit 2014 auch akkreditierter Fortbildungsanbieter für Innere Medizin und Kardiologie und haben seither mehr als 170 Fortbildungen veranstaltet.

Wie steht es um die medizintechnische Ausstattung?
An der Abteilung wurde in den vergangenen Jahren eine Herz- und Lungendiagnostik auf dem neuesten Stand etabliert. Ab Mitte 2020 wird darüber hinaus ein CT-Gerät der neuesten Generation, ein 640-Zeiler, zur Verfügung stehen. Damit kann die Frühdiagnose der koronaren Herzkrankheit wesentlich schneller und genauer erfolgen. Der Einsatz dieser Methode, die exakt nach den geltenden fachlichen Richtlinien z. B. der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie angewendet wird, und die Beurteilung der Bilder setzen eine entsprechende kardiologische Expertise voraus.

Wie viele Patientinnen und Patienten benötigen eine Herzkatheter-Untersuchung?
Etwa fünf Prozent der Patientinnen und Patienten unserer Abteilung. Die Herzkatheterisierungen erfolgen in Krankenhäusern in Wels und Linz. Alle kardiologischen Untersuchungen bei uns werden digital gespeichert und können in Sekundenschnelle dorthin übermittelt werden. Umgekehrt lassen sich auch die auswärtigen Katheter-Untersuchungen prompt in unserem Haus betrachten, um das weitere Vorgehen festzulegen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem neuen Intensivverbund im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried?
Der Intensivverbund, der seit kurzem gemeinsam mit den Partnerabteilungen für Anästhesie und Neurologie betrieben wird, ist zweifellos ein Meilenstein auch für unsere Abteilung. In der internistischen Intensivstation behandeln wir akut intensivpflichtige Patientinnen und Patienten mit kardialen und pulmonalen Störungen, Infektionen, hepatischen und nephrologischen Problemen sowie Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen. Eines unserer Spezialgebiete ist dabei die schonende, nicht-invasive Ventilation zur Unterstützung bei schweren Atemproblemen, die in vielen Fällen eine belastende Intubation und die maschinelle Beatmung ersparen kann.
 
Was sind die nächsten geplanten Schritte in Sachen Kardiologie?
Das Leistungsspektrum der Kardiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried wird durch die ambulante Rehabilitation bei Herz- und Lungenerkrankungen nochmals bedeutend erweitert. Bisher waren derartige Reha-Maßnahmen meist nur im Rahmen mehrwöchiger Aufenthalte möglich. Von dieser Neuerung werden Patientinnen und Patienten im gesamten Innviertel profitieren.

Wie wird sich die Kardiologie allgemein in den nächsten Jahren entwickeln?
Der Fokus wird sich von einer High-Tech-Reparaturmedizin zu wesentlich mehr Prävention verlagern. Herz- und Gefäßerkrankungen entwickeln sich meist über Jahre und Jahrzehnte. Da bieten moderne Diagnose- und Therapieverfahren – Herz- und Gefäßultraschall, Nuklearmedizin, koronare Computertomografie – die Chance für frühzeitige Erkennung und rechtzeitiges Eingreifen. Dies gilt vor allem für Risikopatientinnen und -patienten mit familiärer Vorbelastung, Hypertonie, Hypercholesterinämie, Diabetes, COPD oder Gefäßerkrankungen sowie für Raucherinnen und Raucher. Nicht zuletzt müssen wir Kardiologen die Menschen vermehrt zu einem gesunden Lebensstil motivieren. Unsere Vision ist es schließlich, Herz- und Gefäßerkrankungen weitgehend zu verhindern bzw. möglichst frühzeitig zu behandeln.