Oft geht es auch ohne Stoma!

Selbst eine Colon-Perforation bedeutet für Patientinnen und Patienten mit Divertikulitis heute nicht mehr zwangsläufig eine offene Operation samt Stoma. An der Chirurgischen Abteilung setzt man in vielen Fällen auf einen laparoskopischen Eingriff – mit sehr guten Erfolgen.

Divertikulose zählt zu den häufigsten Erkrankungen in der westlichen Welt. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass bis zu 50 % der Bevölkerung von Ausstülpungen der Darmwand, vorwiegend im Bereich des Colon sigmoideum, betroffen sind; bei den über 80-Jährigen sind es bis zu 70 Prozent. Auch wenn Divertikulose oft asymptomatisch verläuft, kommt es bei einem erheblichen Anteil zu Entzündungen von Divertikeln.

Die Chirurgische Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried behandelt durchschnittlich mehrere Patienten pro Woche wegen Beschwerden, die durch eine Divertikulitis verursacht werden. Klassisches Leitsymptom ist die sogenannte „Links-Appendizitis“ mit Schmerzen im linken Unterbauch. Die Diagnose wird mit einer CT-Untersuchung gesichert.

 

Ambulante Antibiotika-Therapie

„Grundsätzlich ist man mit der Indikation für eine Operation bei Divertikulitis heute zurückhaltender als in früheren Jahren“, erklärt der Leiter der Abteilung, Prim. Dr. Manfred Kalteis. Entzündungen, die zum ersten Mal und ohne Komplikationen auftreten, können unter Umständen auch ambulant mit Antibiotika behandelt werden. Abszesse lassen sich durch eine perkutane Drainage ausheilen, die in Zusammenarbeit mit der Radiologie gelegt und mit Antibiotika kombiniert wird. „Tritt die Entzündung wiederholt bzw. in Schüben auf, muss mit jedem Patienten individuell abgeklärt werden, wann eine Operation im Sinne der Lebensqualität sinnvoll ist“, so Prim. Kalteis.

Kommt es allerdings zu einer Perforation, muss auf jeden Fall eine Operation erfolgen. Bei kotiger Peritonitis oder Ileus ist eine offene Laparatomie zur Sigmaresektion (nach Hartmann) nach wie vor unumgänglich. Sie bedingt das Anlegen eines Stomas, das zwar nach Abheilen der akuten Erkrankung durch Reanastomose wieder rückgängig gemacht werden kann. Für die betroffenen Patientinnen und Patienten bedeutet diese Zeit aber eine gravierende, oft belastende Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten.

Minimal-invasiver Eingriff

Bei gedeckten bzw. nicht so weit fortgeschrittenen Perforationen setzt man im Innviertler Schwerpunktspital dagegen schon seit mehreren Jahren auf einen laparoskopischen Eingriff mit Peritonealspülung und Anlegen einer Drainage; zusätzlich werden Antibiotika verabreicht. Nach Abheilen der akuten Entzündung, im Abstand von etwa drei Monaten, wird der erkrankte Abschnitt des Colon sigmoideum dann ebenfalls in einem unkomplizierten, laparoskopischen Eingriff reseziert.

„So wird eine Colostomie vermieden, was für die Patientinnen und Patienten einen kürzeren Aufenthalt sowie weniger Schmerzen und Narben bedeutet. Vor allem aber kommen sie ohne Stoma aus. Mit dieser Vorgangsweise erzielen wir sehr gute Erfolge“, berichtet Prim. Kalteis.