Spannende neue Wege

Innovative Entwicklungen in der Colonchirurgie, bei Eingriffen am Knie und in der Alterstraumatologie standen im Mittelpunkt des Bezirksärzteabends im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried.

Erstmals seit über einem Jahr konnte Ende Juni im Seminarzentrum des Krankenhauses wieder eine Präsenzveranstaltung für Zuweiserinnen und Zuweiser stattfinden, entsprechend den geltenden Covid-19-Schutzmaßnahmen. Der Themenabend, zu dem das Krankenhaus gemeinsam mit der Medizinischen Gesellschaft OÖ – Bezirk Ried eingeladen hatte, bot aktuelle Informationen aus mehreren Fachgebieten.

Prim. Dr. Bernhard Furtmüller und OA Dr. Peter Adelsgruber stellten Innovationen in der Colonchirurgie vor, insbesondere die SILS-Methode (Single Incision Laparoscopic Surgery), zu deren ersten Anwendern in Österreich Prim. Furtmüller zählte. Diese fast narbenlose Chirurgie – die einzige Hautinzision misst kaum 25 Millimeter und ist im Nabel verborgen – reduziert Zugangstrauma, Narkosezeit und Wundinfektionsrate. Sie verursacht geringere postoperative Schmerzen und ermöglicht eine rasche Rekonvaleszenz. Im Video wurde eine Sigmaresektion mittels SILS gezeigt, die bei entsprechender Expertise des Operateurs beim Kolonkarzinom gleiche onkologische Ergebnisse bringt wie die offene Operationstechnik. Ebenfalls präsentiert wurde eine Studie über klinisch relevante Vorteile einer autologen Fibrin-Matrix in Kombination mit Thrombozyten bei der Anastomosenversorgung im Zuge kolorektaler Operationen.

Hohe Spezialisierung
Prim. Dr. Norbert Freund schilderte unter dem Titel „Vom Knorpelschaden zur Totalendoprothese“ neue Wege in der Kniechirurgie, darunter knochenmarkstimulierende Techniken zur autologen osteochondralen Transplantation. Ebenso zeigte er Behandlungsmöglichkeiten der Gonarthrose durch Gelenksersatz auf, bis hin zum Gelenksersatz für die gesamte untere Extremität, die zur Versorgung hochkomplexer orthopädischer Patientengruppen angewendet wird. Anhand von klinischen Beispielen, Röntgenbildern und OP-Fotos vermittelte Prim. Freund die hohe Qualität der orthopädischen Abteilung mit ihrer großen Spezialisierung in den unterschiedlichen Gelenksbereichen. 

Demografische Herausforderung
Prim. Dr. Arthur Schueler präsentierte ein neues Behandlungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Beschwerden des Bewegungsapparates, mit dem das Angebot im Schwerpunkt Orthopädie und Unfallchirurgie erweitert wird. Im zweiten Teil seines Vortrags ging er auf spezielle Anforderungen bei der Behandlung älterer Menschen nach Stürzen ein. Er verwies auf die notwendige interdisziplinäre Betreuung in dieser Altersklientel, wo neben geriatrischen Problemen auch Komorbiditäten samt vielfacher Dauermedikation (z. B. Gerinnungshemmer) eine Herausforderung darstellen. Für ausgewählte Pathologien skizzierte er Therapieoptionen von symptomorientierter funktioneller Behandlung bis zu klassisch-konservativen und operativen Methoden. Schon jetzt zeigt sich, dass Alterstraumatologie für die Medizin mit Sicherheit eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre sein wird, auch in strategischer Hinsicht.

In thematischem Bezug dazu stand der Vortrag von Mag.a Elisabeth Kuc über eine Studie im Zusammenhang mit Stürzen und Polymedikation – lesen Sie >> hier mehr dazu.